Brazil Trüllerie

Die Geschichte einer deutschen Cigarrenmarke

In der Cigarrenfabrik Paul Lungwitz, in Frankenberg/ Sachsen, wurde 1900 der Kaufmann Wilhelm Otto Nendel zum Prokuristen ernannt. Die Eintragung im Handelsregister erfolgte am 31.Dezember 1900.

Nach dem Tod von Paul Lungwitz, vor dem 1. Weltkrieg, wurde Wilhelm Otto Nendel der neue Inhaber der Firma. Er spezialisierte sich auf Brasil Cigarren und sicherte damit seinem Betrieb das Überleben in der Inflationszeit. Für Cigarren fand er die Packungsbezeichnung "J. B. C. Corot" (die auch in den Gemälden der Brazil Trüllerie präsent ist) - inspiriert durch den französischen Maler Jean-Baptiste-Camille Corot, dessen Kunst er bewunderte.
Der Maler Corot wurde am 16.07.1796 in Paris geboren und ist am 22.02.1875 in Paris gestorben. Er arbeitete abwechselnd in seiner Heimat Frankreich, der Schweiz, in England und Holland. Er malte sensible Figurenbilder und ab 1850 Stimmungslandschaften. Corot hinterließ der Nachwelt etwa 2000 Gemälde und 300 Zeichnungen.

W.O. Nendel erkrankte 1928 auf einer Fachausstellung in Düsseldorf und verstarb 3 Wochen später in einem Dortmunder Krankenhaus. Sein 18-jähriger Sohn, Ernst Nendel, mußte sofort den Betrieb übernehmen. Diesen konnte er auf bis zu 700 Mitarbeitern vergrößern. Ebenfalls wurde die Aufmachung der Zigarrenpackungen vielgestaltiger. Die Marken Corotes und Brazil-Trüllerie kamen hinzu. Trüllen bedeutet drehen – die Zigarren wickeln.
Als der 2. Weltkrieg kam, wurde auch Ernst Nendel zum Militär einberufen. Er bekam wiederholt Arbeitsurlaub, denn der Betrieb in Frankenberg fertigte Zigarren für Heereslieferungen.
Im Juni 1945 kam Ernst Nendel auf Schleichwegen gesund in die Heimat zurück. Bald danach besetzten die Russen das Land Sachsen. 1950 wurde der Betrieb enteignet. Es folgte die Flucht nach Westdeutschland. Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten konnte Ernst Nendel die Fabrikgebäude der ehemaligen Zigarrenfabrik Muth, in Malsch bei Heidelberg, zunächst pachten. Die Firma Paul Lungwitz Nachf. KG wurde neu gegründet.

Aus Altersgründen wurde 1974 der Betrieb verkauft. Neuer Inhaber war die Firma Rinn & Cloos AG, welche ihrerseits später aufgelöst wurde. Als Filiale stand der Betrieb bis 1985 unter der Leitung von Ernst Nendel. Letzterer verstarb 1985 im Alter von 73 Jahren in Malsch.
Im Laufe weniger Jahre wurde die Marke zur Bedeutungslosigkeit reduziert, da sie durch mehrere Hände ging und an Sorgfalt verlor. 1999 hat die August Schuster Bünde GmbH & Co KG die Marke Brazil Trüllerie vom letzten Markeninhaber übernehmen können.
Nachdem die Originalmotive der Deckelbilder von einem bekannten Künstler neu als Ölgemälde geschaffen und damit eine neue Authentizität erreicht wurde, konnte sie 2004 als neues Produkt auf dem Markt gebracht werden. Damit knüpft Schuster Bünde an die Tradition der Paul Lungwitz Nachf. KG an.

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